top of page

Wo Selbstverteidigung funktioniert und wo sie scheitert


Tanja Mäder macht einen Sidekick gegen Patrizia Krasniqi
Tanja Mäder macht einen Sidekick gegen Patrizia Krasniqi / Picture by Jörg Schmitz / Insta: @joerg.schmitz.photography

Beim letzten Mal gingen wir der Frage nach, ob sich Kampfsport zur Selbstverteidigung eignet. Heute möchte ich der Frage nachgehen: Wo funktioniert das Konzept der Selbstverteidigung? Wo scheitert es?

Natürlich gibt es zahlreiche Kurse und Formate, in denen du Selbstverteidigung lernen kannst. Die einen sind besser aufgestellt als andere. Ich persönlich empfehle dir, diverse Kurse zu besuchen um ein möglichst umfassendes Bild davon zu erhalten und für dich zu entscheiden, was dich weiterbringt und was nicht.

Hier kommt meine Meinung und Erfahrung dazu. Ich hoffe, sie ist für dich ebenso hilfreich. Wenn du Ergänzungen hast, lass es mich gerne wissen.

Warum wirst du angegriffen?

Zuerst müssen wir uns der wichtigen Frage stellen: Was motiviert jemanden zum Angriff? Hat ein Mensch einfach einen schlechten Tag wirst du eher einen verbalen Weg finden, ihn zu beruhigen als wenn jemand einfach eine Runde prügeln will.

Dann gibt es noch klare Übergriffe mit Ziel, "leichten" Opfer schaden zuzufügen. Dazu zählen beispielsweise Überfälle, sexuelle Handlungen, Machdemonstrationen in gewalttätigen Beziehungen etc.

Da ich mich selbst auf letztere spezialisiere, möchte ich mich in diesem Beitrag auch darauf fokussieren.

Wo Selbstverteidigung funktioniert:

Beispiel Gewaltprävention:

Selbstverteidigung muss ansetzen mit dem Ziel, Übergriffe gar nicht erst stattfinden zu lassen. Klingt utopisch und irgendwie unlogisch. Besonders wenn wir annehmen, jemand stärkeres sucht sich bewusst jemand schwächeres als Opfer aus.

Dennoch kannst du durch gezielte Gewaltprävention Täter*innen den Wind in den Segeln nehmen, wenn du dich entsprechend verhältst oder, noch besser, gar nicht erst in Situationen kommst, in denen du einem Angriff ausgesetzt sein könntest.

Damit meine ich nicht, "bleib zu Hause". Aber ein Beispiel wäre hier, die dunkle Gasse zu meiden und den längeren, beleuchteten Weg zu nehmen oder dir im Vorfeld Gedanken über deine Grenzen zu machen. Wann setzt du deine Grenzen und wie? Immerhin stammen die meisten Täter*innen aus dem nahen Umfeld.

Alleine schon wenn du dir Situationen in deinem Kopf vorstellst oder, noch besser, diese in der Gruppe diskutierst kann dich das wappnen und mögliche Übergriffe im Keim ersticken.

Beispiel De-Eskalation:

Psychologisch kannst du jemanden auch demotivieren, indem du psychische Tricks anwendest. Klare Grenzen ziehen und / oder jemandem ins Gesicht schreien kann schon reichen. Das demonstriert zum Beispiel, dass du kein leichtes Opfer bist.

Dazu will ich noch sagen, dass du nicht jemandem ins Gesicht schreien sollst, der ganz klar aufs Prügeln aus ist. Dies ist eher eine Technik, die funktioniert, wenn dich jemand als "Beute" sieht.

Du siehst schon, es gibt viele Möglichkeiten eines Angriffs und viele Antworten darauf. Deshalb meine ich "Besuche diverse Kurse". Instruktoren legt Wert auf verschiedene Dinge.

Beispiel Techniken:

Kurz, einfach, schnell, ohne viel Training. Du weisst wo du wie zuschlagen musst. Solche Techniken funktionieren. Alles andere musst du entweder jahrelang üben oder kannst du getrost in die Tonne werfen.

Beispiel Umgang mit Waffen:

Ein Kurs, der due beispielsweise den Umgang mit Pfefferspray lehrt ist Gold Wert.

Wo Selbstverteidigung scheitert:

Ganz klar, wenn die Realität nicht mit einbezogen wird. Und das wird sie leider häufig nicht. Aber lass mich erklären:

Leider gab es in der Vergangenheit häufig, und gibt es auch heute noch, Martial Arts Instruktor*innen, die Selbstverteidigung anbieten, aber selber die Realität eines Kampfes oder wenigsten einigen heftigen Sparring Sessions noch nie hatten.

Auch im Internet kursieren Videos mit einfachen 1-2-3 Techniken, die nichts mit einer realen Kampfsituation zu tun haben. Ich sage nicht, wenn du Kämpfer*in bist weisst du alles über Selbstverteidigung. Ich glaube, das hat der letzte Artikel "Eignet sich Kampfsport zur Selbstverteidigung" gezeigt. Aber wenn du noch nie erlebst hast wie es ist, physisch gegen einen anderen Menschen zu kämpfen fehlt dir ein enorm wichtiges Teil des Puzzles.

Es gibt Instruktor*innen, die nur mit "Untergebenen" üben. Mit Menschen, die entweder deutlich körperlich unterlegen sind oder mit ihren eigenen Schüler*innen. Dies wird häufig problematisch, da diese meist unbewusst Instruktor*innen über sich stellen und entsprechend schön bei der Technik mitmachen.

Du wirst auch sehen, dass solche Techniken häufig nicht einbeziehen, dass sich das Opfer und die angreifende Person bewegen und nicht steif und wie festgenagelt am Boden stehen.

Beispiel "The Ultimate Self Defense Championship":

Es gab eine geniale YouTube Video Serie von diversen internationalen Kampfsport YouTubern. Sie taten sich zusammen und machten die "The Ultimate Self Defense Championship". Du findest die Videos unter diesem Titel. Diese sind ziemlich realitätsnah und zeigen, wie selbst erfahrene Kampfsportler in gewissen Situationen an ihre Grenzen kommen.

Sei dies in einem fahrenden Bus oder bei einer Messerattacke.

Weitere Faktoren:

Was auch schwer nachzustellen ist, sind Faktoren wie die Stresshormone in deinem Körper. Wie reagierst du auf eine bedrohliche Situation?

Auch weisst du nicht immer, wie viel Platz dir zur Verfügung steht, wie viele Angreifende du abwehren musst oder ob der Angriff überraschend kommt oder nicht.

Häufig wird dies bei Selbstverteidigungskursen in Stresstests simuliert. Man kann aber halt nur einen Teil nachstellen.

Kids und Männer als Opfer:

Es wird selten thematisiert und ist kein einfaches Thema: Kinder in der Opferrolle. Kinder haben physisch gesehen wenig Chancen gegen Erwachsene. Auch hier kann man gewisse Dinge aus der Gewaltprävention und gewisse Techniken anwenden, aber Kids werden in der Selbstverteidigungsdiskussion oft weggelassen.

Dasselbe ist leider wahr für Männer. Auch hier gilt, es ist ein heisses Eisen. Wir wissen klar, dass auch Männer Übergriffen zum Opfer fallen. Hier gibt es besonders in der Thematik der häuslichen Gewalt eine grosse Dunkelziffer.

Wo man Frauen beibringen kann, zuzuschlagen, kann man das Männern nicht anraten. Besonders wenn die Täterin eben weiblich ist. Hier sehe ich persönlich den Ansatz eher in einer psychischen Begleitung durch Fachpersonen. Diese können Männern helfen, aus toxischen Beziehungen auszubrechen. Leider nutzen Frauen häufig Druckmittel wie die gemeinsamen Kinder (ich nehme dir die Kinder weg) oder ungerechtfertigte Anschuldigungen (ich sage einfach, du hättest mich angegriffen).

Zum Schluss soll gesagt sein

Dies ist keine abschliessende Liste. Es gibt natürlich noch viele andere Faktoren. Wenn du etwas zu ergänzen hast freue ich mich über deine Nachricht.

Auch möchte ich betonen, dass ich keine Expertin bin, was z.B. häusliche Gewalt gegen beide Geschlechter angeht. Dies sind lediglich meine Erfahrungen aus Gesprächen mit anderen Expert*innen, Männer- wie Frauengruppen.

Selbstverteidigung geht tief. Von der Psychologie über die eigenen Grenzen, zu Gewaltpräventionstechniken, hin zu physischer Abwehr. Es gibt viele Aspekte dazu und genauso viele mögliche Szenarien. Jede Situation ist anders und jeder Mensch ist anders.

Sei dir deines Werts bewusst. Hol dir professionelle Hilfe wenn du psychisch bedrängt wirst oder denkst, du fühlst dich nicht "gut genug". Besuche verschiedene Kurse und nimm aus jedem etwas mit. Vergiss nicht die Realität und stelle Fragen.

9 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page