top of page

Selbstverteidigung: Der gefährlichste Irrtum

Die dunkle Silhouette von einem Mann in einer Tiefgarage.
Wo lauert die grösste Gefahr für Frauen wirklich? Foto von Jaanus Jagomägi auf Unsplash 

Stell die folgendes vor: Ein Typ steht vor dir. Er schreit dich an. Fasst dich grob an. 

Frage an dich: Was tust du? 


Viele Frauen machen sich zwar Gedanken über Selbstverteidigung. Dennoch haben wir den Hang dazu, es nach kurzer Überlegung wieder abzutun. Denn ganz ehrlich: Die meisten Frauen, die Opfer eines Übergriffs werden, haben vorher denselben Gedanken gehabt:  

 

"Das passiert mir nicht."


Oder sie haben einen Plan, der irgendwie in jede Situation passt.

Und erledigt. Sie denken nicht weiter darüber nach.


Nicht weil sie naiv sind. Sondern weil es einfacher ist, eine Angst weg zu rationalisieren. Das macht auch teilweise Sinn, denn viele Gefahren werden uns statistisch gesehen nicht begegnen. 


Leider gehören aber Übergriffe an Frauen nicht in diese Kategorie. 


Heute möchte ich dir zeigen, warum der Gedanke von "Das passiert mir nicht" so gefährlich ist und wie du ihn ersetzen kannst, ohne in Angst zu leben. 


  

Die gefährliche Sicherheitsillusion bei Übergriffen 


Es ist ein Schutzmechanismus, davon auszugehen, dass uns nichts schlimmes passiert. Jedenfalls nicht in den Momenten, wo wir glauben die Kontrolle zu haben. Zum Beispiel beim Autofahren oder wenn wie zu Hause sind. Dennoch passieren die meisten Unfälle in den eigenen vier Wänden und Autounfälle gibt es jeden Tag. Angst haben wir aber eher davon, in ein Flugzeug zu steigen oder uns eine tödliche Krankheit einzufangen. Wieso? Weil uns die Illusion von Kontrolle Sicherheit gibt. 


In der Selbstverteidigung ist es ähnlich. Die meisten Frauen, die ich frage, denken entweder nicht richtig darüber nach, oder sie "haben einen Plan". Häufig lautet der zum Beispiel: Schlüssel zwischen die Faust klemmen und zustechen. 

(Mit dieser "Technik" habe ich meine eigenen Mühen, aber ich lasse das jetzt mal so stehen) 


Das Problem aber ist nicht das "fremde Monster in der dunklen Tiefgarage", dass du dir wahrscheinlich beim Intro vorgestellt hast. 


Die, für Frauen sehr reale Gefahr, ist eine andere. 


  

Selbstverteidigung: Warum die meisten Übergriffe von Menschen passieren, die man kennt 


Was denkst du, wie oft ist ein Täter eine fremde Person? 

8 von 10? 6 von 10? 5 von 10? 


Nicht mal annähernd. Und das ist der gefährliche Irrtum. Der Fremde, der dich angreift, existiert nur in 3 von 10 Fällen.  

 

Das bedeutet, in 7 von 10 Fällen, ist der Täter jemand aus deinem näheren Umfeld. Jemand, den du kennst. Sogar in über 70% der Fälle. 


Aber was lehren die meisten Selbstverteidigungskurse und Informationsquellen?  


"Das tust du, wenn dich jemand von hinten packt."  

"So reagierst du, wenn jemand aggressiv auf dich zugeht."  

"So verhältst du dich, um auf der Strasse sicher zu bleiben." 


Dies ist sicherlich auch wichtig. Aber leider ist die Realität die, dass die meisten Täter anfangs sympathisch, charmant oder hilfsbereit sind. Und, dass du in vielen Fällen ein gewisses Vertrauen in sie hast. Und genau das macht dich ihnen gegenüber so verletzlich. Täter wissen das. Und Täter nutzen das aus. 


Dieser Fakt, ändert alles, was du über Selbstverteidigung weisst. 


 

Welche Warnsignale oft vor Grenzüberschreitungen auftreten 


Das ist extrem wertvoll zu wissen: Erkenne die roten Flaggen früh. 

Das kann dich schützen vor Tätern, die dich erst mal testen. Denn sie wollen häufig wissen, wie weit sie gehen können. Wie nachgiebig du bist und wie sehr du deine eigenen Grenzen beschützt.  

 

Typische Muster: 


  • Grenzen ignorieren, dein NEIN bedeutet nur "Jetzt noch nicht" 

  • „War doch nur ein Witz“, dich dazu "gaslighten", dass du überreagierst, empfindlich oder emotional bist. 

  • Schuldumkehr, plötzlich fühlst du dich schuldig für etwas, was der andere getan hat 

  • Nähe erzwingen: Deine körperlichen Zeichen werden gekonnt übersehen, du wirst ständig umarmt, angefasst etc. Selbst wenn du verbal sagst, dass du das nicht magst 

  • "Deine Freunde, Familie etc. Sind alle doof", du wirst langsam aber sicher von deinem sozialen Kreis isoliert oder du wirst räumlich isoliert, oder beides 

  • Die Machtverhältnisse ändern sich. Du wirst mehr und mehr in die Anhängigkeit getrieben (Geld, Autofahren, Handy etc.) 


 

Viele Frauen geraten in Beziehungen (Familie, Partner etc.), in denen sie nach und nach sich selbst verlieren. Leider passiert dies häufig schleichend und, egal wie schlau du bist, es kann den besten von uns passieren. 

 

Merke dir eins:  


Selbstverteidigung beginnt nicht mit einem Schlag. Selbstverteidigung beginnt mit dem Erkennen von Mustern. 

  


Der dreiteilige Plan für deine Sicherheit 


Was jetzt? Wie gehst du mit dieser Information um? 


Es bringt dir nichts, Angst zu haben. Wie beim Beispiel mit dem Autofahren: Es kann gefährlich sein, dennoch ist es etwas, was du angstfrei tun solltest. Also lass dir keine Angst machen. Denn das kannst du im Leben bestimmt nicht brauchen.  


Was du brauchst in ein Plan. Einen Sicherheitsgurt, sozusagen. 


 Lass uns deinen Plan auf drei einfache Schritte reduzieren, einfach und simpel: 


  1. Wahrnehmung. Nehme deine Grenzen wahr. Lerne sie kennen und höre auf dein Bauchgefühl. Wenn sich etwas falsch anfühlt, hat das einen Grund. 

  2. Kommunikation. Wenn du dich unwohl fühlst, sag "nein". Kommuniziere, was du nicht willst, wenn dir etwas zu schnell geht oder du dich unwohl fühlst. Unschuldige und ehrliche Menschen respektieren das. 

  3. Handlung. Wenn dein "nein" ignoriert wirst, sehe die rote Flagge klar vor dir und handle. Schaffe Abstand, entferne dich, werde laut und bestimmt, hol dir Hilfe. Als letzte Option können dir physische Selbstverteidigungstechniken helfen. 

  


Wissen ist Macht. Und die Statistiken sprechen eine klare Sprache. Kenne dich, deine Grenzen und deinen Wert und lerne Selbstverteidigungstechniken für den Notfall. Damit bist du schon besser geschützt vor Übergriffen, als die meisten. 


Und, auch sehr wichtig: Schäme dich nie dafür, nach Hilfe zu fragen.


Stay safe. 


Deine Tanja ❤       

Cert. Female Performance Coach       

Cert. Personal Trainer       

Mental Coach    

  

  

Diesen Blog gibt es in ausführlicher Version als Podcast "Mir Kampfsportlerinne".  

Hier und überall, wo du deine Podcasts normalerweise hörst.  

 
 
 

Kommentare


bottom of page