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Haben Kampfsportler*innen Aggressionsprobleme?

Aktualisiert: 23. Aug. 2023


Picture by Jörg Schmitz / Insta: @joerg.schmitz.photography



Wir Kampfsportler*innen stehen nicht immer im besten Rampenlicht. Ich meine, wieso sollten Menschen, die sich zum Spass prügeln nicht irgendwie «mental auffällig» veranlagt sein? Naja wir wissen, wieso.


Aber was sagt die Allgemeinheit dazu? Haben wie Aggressionsprobleme?



Der Fall “Carlos" in der Schweiz


Brian oder “Carlos”, wie er in den Schweizer Medien lange genannt wurde, war ein junger Schweizer mit 34 Delikten. Nur 15 Jahre jung, rammte er einem 18-jährigen ein Messer in den Rücken, woraufhin er verurteilt wurde.


Der Fall löste viele Diskussionen aus, da «Carlos» diverse Massnahmen in Form eines Sondersettings erhielt, die den Staat sehr viel Geld kosteten. Unter anderem Training beim Thaibox-Weltmeister Shemsi Beqiri, der wiederum, gemäss Medienangaben, in eine hitzige Streiterei zwischen zwei Gyms verwickelt war.


Die Tragödie Andrew Tate


Wenn du nicht weisst, wer Andrew Tate ist, lebst du entweder hinter dem Mond oder hast das Internet nicht richtig benutzt.


Andrew Tate ist ein bekannter Influencer, der mit seinen extrem frauenfeindlichen Aussagen immer wieder für Kontroversen sorgte. Scheinbar war er involviert in diverse Verbrechen gegen Frauen und in Rumänien lag ein Strafbefehl gegen ihn vor.


Zuletzt lieferte sich der britisch-amerikanische Kickboxer (jetzt bist du überrschat, was?) eine Twitter Debatte mit Greta Thunberg, die schlussendlich zu seiner Verhaftung führte.


Das klingt jetzt verwirrend. Ich rate dir: Google es. Eine witzige Geschichte.


“Kampfsportler sollten einen Waffenschein machen müssen!“ – Was sagt die Öffentlichkeit?


Dies waren zwei glänzende Beispiele, wie Kampfsportler*innen häufig porträtiert werden. Leider aber muss man in diesen Fällen auch sagen – gerechtfertigt.

Aber was sagt die Öffentlichkeit dazu? Werden wir Kampfsportler*innen als aggressiv wahrgenommen? Ich kann hier nur meine eigenen Erfahrungen wiedergeben. So ist zum Beispiel meine Tante überzeugt davon, dass «ein falscher Punch» im Ring mich auf der Stelle tot umfallen lässt.


Du weisst schon – die «Fünf-Finger-Herz-explosions-Technik», Kill Bill Style. Aber auch diese Angst kommt nicht von ungefähr, war doch der Boxsport in den 70er Jahren noch sehr gefährlich. Es gab weniger Regeln, welche die Kämpfer schützten und Hirntraumata führten ab und zu mal zu Todesfällen. Dazu muss man irgendwie doch «aggressiv» sein, oder nicht?


Über «CTE» (Chronische Traumatische Enzephalopathie, sag das 10mal am Stück) müssen wir gar nicht erst reden. Ein Riesenthema im Sport. Ich habe dazu eine ganze Podcastfolge gemacht.


Boxen ist heutzutage ein sicherer Sport. Jedenfalls so sicher, wie Sport eben sein kann. Kopftraumata entstehen immerhin nicht weniger häufig in Sportarten wie American Football, Eishockey und sogar dem geliebten Fussball.

Dieser eine Typ sagte mir auf LinkedIn sogar: “Kampfsportler*innen sollten einen Waffenschein machen müssen». Ich Weiss nicht, wie das funktionieren soll. Wann tritt das in Kraft? Sobald wir auch nur einen Schritt in ein Dojo machen? Wie verhalten wir uns in Flugzeugen? Sollte man uns fesseln?


Gedanken wie diese drehen sich im Kreis und machen mir Kopfschmerzen.

Die bestimmt nichts mit der gestrigen Sparringsession zu tun haben.


Ich habe noch mehr Geschichten dazu, aber ich lasse diese jetzt. Niemand mag lange Blogartikel. Hör dir gerne auch meinen Podcast «Fight4love» dazu an oder schaue das Video auf meinem YouTube Kanal «Cats, Coffee and Kickboxing».


Haben wir ein Imageproblem?


Ich fasse mich kurz. Ja.


Wir hatten immer ein Imageproblem. Wie gesagt, google nur mal die Geschichte vom Boxen. Unser Sport war früher sehr gefährlich. Dieses Bild ist noch in vielen Köpfen vorhanden.


Kombiniert mit den immer wiederkehrenden Geschichten von aggressiven Kampfsportler*innen und dem Unverständnis darüber, wie man gerne prügeln kann, haben wir ein Imageproblem.



Was tun wir jetzt?


Ganz Ehrlich, ich weiss es nicht.


Lass uns einfach gute Menschen sein und anderen zeigen, dass Kampfpsortler*innen Athleten sind, wie alle anderen auch.


Ich persönlich habe die empathischten, liebevollsten und fluffigsten Menschen in meinem Umfeld. Einige davon sind Kamfpsortler*innen.


Wir können versuchen, und nicht in sinnlose Diskussionen verstricken zu lassen und statt dessen die Vorteile von Kampfsport hervorheben:


- Die steigerung des Selbstvertrauens

- Die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern

- Die Disziplin, die langjähriges Kampfsporttraining fordert

- Das erkennen der eigenen Stärke, besonders mental

- Die Geduld und das Wieder-Aufstehen


…um nur einge zu nennen.


Also können wir die Frage beantworten? Haben Kampfsportler*innen Aggressionsprobleme?


In meinen Augen nicht mehr, als andere passionierte Athlet*innen.


Ich würde behaupten, die meisten von uns haben sowieso gar keine Energie mehr dazu nach harten Sparringeinheiten, Sessions am Boxsack und Partnerübungen.


Das war ein Witz.

Mit ein Bisschen Wahrheit. ;)

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