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Angst im Training: Warum sie normal und wichtig ist

Eine Frau versteckt sich hinter Boshandschuhen
Keine Angst vor der Angst - Foto von rihab kaci auf Unsplash 

Du machst dich bereit für deine Sparringsession. Äusserlich bist du ruhig und fokussiert. Aber innerlich bist du in Aufruhr. Kann ich bestehen? Was, wenn ich mich verletze? Was, wenn ich einen Kick oder Schlag nicht richtig blocken kann? 

 

Oder, falls du keine Kampfsportlerin bist, kennst du vielleicht diese Version: 

Alle starren dich an. Jedenfalls fühlt es sich so an, jedes Mal, wenn du ins Gym gehst. Du fühlst dich unwohl und gehst am Ende gar nicht mehr ins Fitnessstudio. 

 

Auch wenn du im Innern genau weisst, dass es vielen anderen so geht, wie dir. 

Das kann ich dir garantieren.  

Und auch das: 

 

Angst im Training ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist ein Zeichen von Aufmerksamkeit. 

 

 

Angst im Training: Warum sie normal ist  


Angst ist im Training ein Thema, über das wenig gesprochen wird. Viele glauben, sie müssten „einfach durchziehen“, mutiger sein oder sich "nicht so anstellen". Besonders im Kampfsport. Immerhin lernen wir hier, mit Angst umzugehen.  

 

Du kannst aber nur lernen, mit der Angst umzugehen, wenn die Angst präsent ist. 

 

Angst im Training ist also nichts Ungewöhnliches. Sie zeigt sich bei schwierigen Gegnern, bei neuen Bewegungen, nach längeren Pausen, nach Verletzungen oder bei intensiven Belastungen. Manchmal ist sie laut und deutlich, manchmal subtil: ein Zögern, ein flacher Atem, ein inneres Zurückhalten.  

 

All das ist kein Versagen, sondern Biologie. 


 

Warum Angst ein Teil von gesundem Training ist 

 

Angst ist nicht da, um uns zu sabotieren, sondern um uns zu schützen. Dein Nervensystem bewertet permanent Situationen und stellt eine einfache Frage: Bin ich hier sicher? Wenn die Antwort unklar ist, meldet sich Angst.  

 

Im Training bedeutet das oft: neue Reize, ungewohnte Bewegungen, fehlende Kontrolle oder frühere negative Erfahrungen. Ob es nun die Tatsache ist, dass du als Kind ausgelacht wurdest im Sport oder, beispielsweise wegen Übergewicht oder ob du ganz einfach keinen Bock mehr hast, noch eine Punch ins Gesicht zu kassieren. 

 

...oder schon wieder irgendwo im Körper mehrere Bänder zu reissen. 

Ja, auch ich kenne mich mit dem Thema "Angst im Training" bestens aus. 

 

Gerade wenn jemand nach einer längeren Pause wieder einsteigt, noch wenig Erfahrung hat oder, wie gesagt, nach Verletzungen, ist Angst eine logische Reaktion. Der Körper meint aber mit Angst nicht immer zwingend, dass du etwas nicht tun sollst, sondern mahnt dich eher zur Vorsicht. 


 

Die Rolle von Angst für Sicherheit und Fortschritt 

 

Ein Körper ohne Angst wäre kein leistungsfähiger Körper. Stell dir nur vor wie du sparren oder trainieren würdest, wenn du nie Angst hättest. Angst schärft Wahrnehmung, fördert Fokus und verhindert unüberlegte Risiken. Problematisch wird sie erst, wenn sie ignoriert oder belächelt wird. 


Wer lernt, die eigenen Angstsignale bewusst wahrzunehmen, lernt besser damit umzugehen.  Angst hilft dabei, Grenzen zu erkennen und diese auch mal zu testen. Limits werden nach hinten gepusht, wenn du es zulässt. Mein Tipp: Gehe es lieber etwas langsamer an, aber gehe es an. 

 


Mentale Faktoren im Training: Mehr als Motivation 

 

Nicht jede Angst ist gleich. Manche blockiert komplett, andere lässt sich regulieren. Entscheidend ist, ob du dich im Training grundsätzlich sicher fühlst oder dauerhaft unter Druck stehst. 


Angst lässt sich über folgende Faktoren beeinflussen: 


  • Intensität reduzieren 

  • Mit dem Trainingspartner kommunizieren 

  • Atem und Körperspannung bewusst steuern 

  • Vertrauen über Wiederholung aufbauen 

  • Mentale Übungen: Journalling, Meditation, Visualisierungen etc. 


Angst wird oft stärker, wenn man sie ignoriert oder sich selbst konstant überfordert. Hier braucht es Pausen, Anpassungen, Geduld. Auch ist es besonders hier ratsam, die Angst gezielt anzuschauen und zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Im Mental Coaching kann man wunderbar an diesem Thema arbeiten. 


 

Warum „Augen zu und durch“ langfristig nicht funktioniert 


Kurzfristig kann man Angst übergehen. Langfristig zahlt der Körper dafür einen Preis. Spannung steigt, Bewegungen werden unsauber, Verletzungsrisiken nehmen zu. Vor allem aber geht Vertrauen verloren, nämlich in den eigenen Körper und ins Training selbst. 


Nachhaltiger Fortschritt entsteht nicht durch Härte, sondern durch Sicherheit. Sicherheit bedeutet nicht zwingend, dass alles leicht ist oder du unsicheren Situationen komplett ausweichen sollst. Sie bedeutet, dass dein Nervensystem sich zu regulieren lernt. So lernst du, mit der Angst umzugehen und sie hält dich nicht mehr zurück. Im Gegenteil, sie wird zum Verbündeten. 

 


Training nachhaltig gestalten trotz Unsicherheit 


Gutes Training ist nicht nur Muskelarbeit, sondern auch Beziehungsarbeit. Die Beziehung zu dir, deinem Körper, deinen Emotionen, aber auch die Beziehung zu deinen Trainingspartnern und Coaches. Wenn Angst da sein darf, ohne bewertet zu werden, entsteht Raum für Entwicklung. Denn die Frage soll nicht sein: "Wie werde ich meine Angst los?", die richtige Frage lautet: "Wie lerne ich, trotz meiner Angst über mich hinauszuwachsen?"  


Vertrauen wächst nicht durch Perfektion, sondern durch wiederholte positive Erfahrungen von „Ich schaffe das“. 


Als Trainerin sehe ich meine Aufgabe nicht darin, Angst wegzumachen, sondern sie ernst zu nehmen. Training darf fordern, sogar mal überfordern. Aber nicht dauerhaft und immer in einem kontrollierten Rahmen. So wächst du über deine Angst hinaus und lernst, dir zu vertrauen. 

 

Ob im Fitnessstudio oder im Kampfsport. 


 

Fazit 


Angst im Training ist normal. Sie ist kein Zeichen von Schwäche und wird nur zum Hindernis für Fortschritt, wenn du es zulässt. Angst ist Information. Wer lernt, diese Information zu lesen, statt sie zu unterdrücken, trainiert nicht nur effektiver, sondern auch gesünder. Fordere dich. Überfordere dich. Aber immer kontrolliert. Mentale Arbeit kann dich hier sehr viel weiter bringen. 


Angst im Training ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist ein Zeichen von Aufmerksamkeit. 

 

Deine Tanja ❤       

Cert. Female Performance Coach       

Cert. Personal Trainer       

Mental Coach    

  

  

Diesen Blog gibt es in ausführlicher Version als Podcast "Mir Kampfsportlerinne".  

Hier und überall, wo du deine Podcasts normalerweise hörst.   

 

 

 
 
 

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