Wenn dich das Leben ins Gesicht schlägt - Erfolg und dessen Definition


Ende November 2019 fand ein Kampfsport Wettkampf statt, an welchem ich teilnehmen würde. Als Kickboxerin habe ich mich gut darauf vorbereitet. Ich war komplett ready, physisch wie mental. Ich wärmte mich gerade ein als mir eröffnet wurde, dass meine Gegnerin noch nicht hier wäre.


Einen Wettkampf will man auch bestreiten, immerhin hat man sich darauf vorbereitet und hart dafür trainiert. Nach Hause zu gehen ohne gekämpft zu haben war keine Option.

Als meine Mitstreiterin schliesslich auftauchte war ich also erleichtert. Nervös, aber erleichtert. Doch dann kam der nächste Hammer: "Hey Tanja, deine Gegnerin ist eine Boxerin. Sie sagt, sie hat noch nie Kickboxen gemacht. Sie kann nur einen Boxwettkampf machen."


Dazu muss ich sagen:


- Boxen und Kickboxen sind NICHT dasselbe.


- Kämpft ein Boxer gegen einen Kickboxer mit Kickboxregeln, wird der Boxer ziemlich sicher einiges eistecken müssen


- Kämpft ein Kickboxer gegen einen Boxer mit Boxwettkampfregeln, wird der Kickboxer ziemlich sicher einiges einstecken müssen


Dieser Fall war Letzterer - und ich die erwähnte Kickboxerin, die einiges einstecken würde

Es gibt sicher bessere Voraussetzungen. Mein Körper ist seit Jahren aufs Kickboxen trainiert. Er kennt die Bewegungen, den Abstand, die Ausweichmanöver… Für einen Boxwettkampf würde ich zu langsam sein, mein Abstand zu gross und meine Deckung zu "mittig" (nicht nur zum Kopf hin, sondern auch in der Mitte des Körpers). Man kann antrainierte Bewegungen ja nicht einfach mal so schnell umstellen.


Zuerst sagte ich nein. Es hatte keinen Sinn. Ich war nicht darauf trainiert, nicht darauf vorbereitet. Es war unbekanntes Territorium. Schlichtweg zu schwer. Doch, wie gesagt: Kein Wettkampf Sportler will nach langer Vorbereitung einfach das Handtuch werfen und nach Hause gehen, ohne den Wettkampf bestreitet zu haben. Also allen Mut gefasst (vielleicht war es auch gekonnte Verdrängung) und: Challenge accepted. Ich würde boxen.

Es passierte was passieren musste: Ich habe verloren. Ich habe Schläge ausgeteilt, aber definitiv mehr eingesteckt.


Aber: Ich verlor im Wissen, ich habe gekämpft. Die Komfortzone verlassen, die ungewisse Herausforderung gemeistert. Ich war stolz auf meinen Erfolg. Den Erfolg über mich selbst und meine Angst.


Ich komme zurück auf Erfolg und meine Definition davon:


𝐃𝐞𝐢𝐧 𝐖𝐢𝐥𝐥𝐞, 𝐝𝐞𝐢𝐧 𝐙𝐢𝐞𝐥 𝐳𝐮 𝐞𝐫𝐫𝐞𝐢𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐦𝐮𝐬𝐬 𝐠𝐫ö𝐬𝐬𝐞𝐫 𝐬𝐞𝐢𝐧 𝐚𝐥𝐬 𝐝𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐀𝐧𝐠𝐬𝐭 𝐯𝐨𝐫 𝐝𝐞𝐦 𝐕𝐞𝐫𝐬𝐚𝐠𝐞𝐧.


Wir können auf Situationen noch so vorbereitet sein, manchmal kommt es anders. Und dann können wir uns entweder auf die unbekannte Situation einlassen oder das Handtuch werfen. Auch wenn die Chancen zu verlieren hoch stehen, wir wachsen nur über uns selbst hinaus, wenn wir üben, schwierige Situationen anzunehmen. Denn was ist wenn wir merken, dass eine beängstigende Situation gar nicht so schlimm ist, wie wir dachten? Denn meist ist es doch so. Was ist, wenn wir uns bewusst werden, dass wir uns auf uns selbst verlassen können? Dass wir diese Situationen durchstehen und davon lernen können? Oder sogar, gegen alle Widrigkeiten, zu siegen?


Zu verlieren ist keine Niederlage. Die Niederlage ist, es gar nicht erst probiert zu haben. Hast du jemals eine grosse Herausforderung angenommen und verloren? Dann kannst du stolz darauf sein. Lerne daraus und folge weiterhin deinem Weg.

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